1. Tag: Ankunft in Puerto Ordáz
Mit dem Inlandsflug aus Caracas geht es nach Puerto Ordáz, der modernen Schwesterstadt von San Félix, die zusammen Ciudad Guayana bilden. Die Stadt wurde ab 1961 am Reißbrett geplant, als Venezuela hier seine Schwerindustrie ansiedelte. Am Flughafen wirst du abgeholt und zur Unterkunft gebracht.
Wo zwei Flüsse aufeinandertreffen
Puerto Ordáz liegt an der Mündung des Río Caroní in den Orinoco. Das Besondere ist die Farbe: Der Caroní führt dunkles, fast schwarzes Wasser, gefärbt durch Gerbstoffe aus dem Regenwald, der Orinoco dagegen lehmiges Braun. Wo sie zusammenkommen, laufen beide Farben kilometerweit nebeneinander her, ohne sich zu vermischen.
Wenn du früh ankommst
Je nach Ankunftszeit bleibt Zeit für einen Ausflug. Lohnend ist der Parque Llovizna, ein Stadtpark mit einer Kette von Wasserfällen, über die der Caroní auf mehreren hundert Metern Breite herunterkommt. Der Name bedeutet Nieselregen und beschreibt ziemlich genau, was mit deiner Kleidung passiert. Alternativ geht es nach Ciudad Bolívar, dem alten Angostura, wo 1819 Simón Bolívar seine berühmte Rede hielt und wo bis heute der Angostura-Bitter seinen Namen her hat.
Hinweis: Plane zwischen deiner Ankunft in Caracas mit einem internationalen Flug und dem 1. Reisetag eine Zusatznacht in Caracas ein.
Transport: Inlandsflug Caracas nach Puerto Ordáz, Transfer zur Unterkunft
Übernachtung: Hostería Waipa in Puerto Ordáz
Mahlzeiten: keine (in Puerto Ordáz isst du auf eigene Rechnung)
2. Tag: In die Gran Sabana nach San Francisco de Yuruaní
Heute beginnt die eigentliche Roraima Trekking Reise. Mit Jeep oder Kleinbus geht es auf der Troncal 10 nach Süden, immer weiter hinauf in die Gran Sabana.
Offene Hochebene mitten im größten Nationalpark Venezuelas
Die Gran Sabana ist Teil des Canaima Nationalparks, der mit rund 30.000 Quadratkilometern zu den größten Nationalparks der Welt gehört und seit 1994 UNESCO-Weltnaturerbe ist. Was du siehst, ist offene Graslandschaft auf rund tausend Metern Höhe, durchzogen von Galeriewäldern entlang der Flüsse und daraus ragen die Tafelberge wie Inseln aus einer anderen Zeit. Je weiter du kommst, desto größer werden die Silhouetten am Horizont.
Das Land der Pemón
Diese Region ist Heimat der Pemón, die hier seit Jahrhunderten leben. In ihrer Sprache heißt Tepui so viel wie Haus der Götter und die Berge galten lange als Orte, die man nicht betritt. Ohne die Zustimmung und die Guides der Pemón wäre der Aufstieg bis heute nicht möglich, die Gemeinden verwalten den Zugang selbst.
Die letzte Nacht mit Dach über dem Kopf
Ziel ist San Francisco de Yuruaní, ein Pemón-Dorf und Ausgangspunkt für den Aufstieg. Die Posada ist einfach aber zweckmäßig, die Zimmer eher klein und mit eigenem Bad. Nutze die Dusche, die nächsten Nächte wirst du sie vermissen.
Transport: Jeep oder Kleinbus, Puerto Ordáz nach San Francisco de Yuruaní
Übernachtung: einfache Posada in San Francisco de Yuruaní
Mahlzeiten: Abendessen (die Verpflegung der Roraima-Tour beginnt in San Francisco de Yuruaní)
3. Tag: Erster Wandertag von Paraitepuy zum Kukenán-Lager
Kurzer Transfer nach Paraitepuy de Roraima, dem letzten Dorf vor der Wildnis, wo die Namen aller Teilnehmenden registriert werden. Gegen 9:30 Uhr geht es gemächlich los. Dein Roraima Trekking beginnt nicht mit einer Quälerei, sondern mit einem der schönsten Pfade Südamerikas.
Zwei Kolosse den ganzen Tag vor Augen
Die Strecke führt fast durchgehend eben durch offene Savanne, mit sanftem Auf und Ab über Hügelrücken. Vor dir stehen den ganzen Tag zwei Tafelberge: links der Kukenán, von dem einer der höchsten Wasserfälle der Welt herunterfällt, rechts der Roraima. Sie kommen langsam näher und wirken dabei mit jedem Kilometer unwirklicher.
Zwei Flussquerungen und nasse Füße
Unterwegs querst du den Río Tek und den Río Kukenán, beide ohne Brücke. Je nach Wasserstand geht dir das Wasser bis zu den Knien oder höher. Nasse Schuhe gehören auf dieser Tour dazu und trocknen in der Savannensonne schneller, als du denkst.
Baden im Fluss, Abend am Lagerfeuer
Am Campamento Kukenán kannst du dich im Fluss abkühlen, das ist nach fünf Stunden in der Sonne genau richtig. Abends versammelt sich die Gruppe ums Feuer und du merkst, dass nach einem Tag ohne Handyempfang die Gespräche anders laufen.
Wanderung: 11,4 km, 4 bis 5 Stunden, überwiegend eben
Übernachtung: Campamento Kukenán
Mahlzeiten: Frühstück, Mittagessen, Abendessen
4. Tag: Zum Fuß des Tafelbergs ins Basislager
Frühstück um 6:30 Uhr, Aufbruch gegen 8 Uhr. Heute wird es ernster: 600 Höhenmeter hinauf zum Basislager direkt am Fuß des Roraima.
Die Wand über dir
Ab hier steht die senkrechte Felswand des Tepui über dir, an manchen Stellen über 400 Meter hoch. Du siehst zum ersten Mal, warum dieser Berg jahrhundertelang als unbesteigbar galt. Erst 1884 erreichten Everard im Thurn und Harry Perkins als erste Europäer das Plateau und zwar über genau die Rampe, die morgen dein Weg wird. Von hier unten sieht sie noch nach nichts aus.
Ein Berg als Wetterküche
Die Wolken hängen fast immer an der Wand, weil die feuchte Luft aus der Savanne am Fels aufsteigt und abkühlt. Genau deshalb regnet es oben so oft und genau deshalb stürzen unzählige Wasserfälle die Wände hinunter, ohne dass es einen sichtbaren Zufluss gäbe.
Baden im Wasser vom Berg
Am Basislager kannst du in dem klaren Wasser baden, das direkt vom Roraima herunterströmt. Es ist kalt, es ist herrlich und du wirst es lieben.
Wanderung: 7,6 km, 4 bis 5 Stunden, 600 Höhenmeter Anstieg
Übernachtung: Roraima Basislager
Mahlzeiten: Frühstück, Mittagessen, Abendessen
5. Tag: Aufstieg über La Rampa auf das Plateau
Das ist der Tag. Frühstück um 6:30 Uhr, dann geht es über La Rampa nach oben, jene schmale Felsrampe, die sich als einzige Schwachstelle durch die sonst senkrechte Wand zieht. Rund 700 Höhenmeter auf nur vier Kilometern Strecke.
Unter dem Wasserfall hindurch
Der Weg führt über Felsstufen, Wurzeln und rutschige Platten, stellenweise musst du die Hände einsetzen. Kurz vor dem Ende passierst du einen Wasserfall, der direkt auf den Pfad fällt. Nass wirst du hier in jedem Fall, ein Regenponcho hilft nur begrenzt.
Dein Hotel ist eine Felsnische
Oben angekommen sucht sich die Gruppe ein sogenanntes Hotel aus, eine natürliche Felshöhle, unter der die Zelte stehen. Alle tragen Namen wie Hotel Indio oder Hotel Principal. Der Name ist ein Running Gag der Guides, der Schutz vor Regen ist dafür echt.
Erste Erkundung am Nachmittag
Nach dem Mittagessen und einer Pause geht es zur ersten Runde über das Plateau, je nach Ankunftszeit und Wetter. Am Kukenán-Fenster stehst du direkt an der Abbruchkante und schaust hinaus über die Savanne, tausend Meter tiefer. Die Jacuzzis sind natürliche Felsenpools voller eiskaltem Regenwasser, teilweise mit Quarzkristallen am Grund.
Eine Landschaft, die niemand der Erde zuordnet
Der schwarze Roraima-Quarzit ist rund 1,7 Milliarden Jahre alt und gehört zu den ältesten Gesteinen der Erde. Wind und Wasser haben daraus Türme, Pilze, Rinnen und Labyrinthe geformt. Dazwischen liegt Nebel, der ständig kommt und geht. Arthur Conan Doyle machte aus diesem Berg seine Vergessene Welt, ohne ihn je gesehen zu haben.
Wanderung: 4 km, 4 bis 5 Stunden, rund 700 Höhenmeter Anstieg, nachmittags erste Erkundung
Übernachtung: Zelt auf dem Roraima
Mahlzeiten: Frühstück, Mittagessen, Abendessen
6. Tag: Tal der Kristalle, Punto Triple und der höchste Punkt
Ein ganzer Tag auf dem Plateau und den brauchst du auch. Sechs bis acht Stunden bist du unterwegs, auf nur vier Kilometern Strecke. Das sagt alles über dieses Gelände.
Ein Tal, in dem der Boden glitzert
Das Tal der Kristalle ist genau das: eine Senke, in der der Boden aus Bergkristallen besteht, ausgewaschen aus dem Quarzit. Bei Sonne funkelt die gesamte Fläche. Mitnehmen ist strengstens verboten und die Ranger kontrollieren das Gepäck beim Abstieg. Halt dich dran, sonst wird es unangenehm und teuer.
Drei Länder in einem Stein
Am Punto Triple berühren sich Venezuela, Guyana und Brasilien in einem einzigen Grenzstein aus dem Jahr 1931. Du stehst mit drei Schritten in drei Ländern und das ist genau so albern und großartig, wie es klingt. Auch der Maverick-Felsen, mit 2.810 Metern der höchste Punkt des Plateaus, liegt an der Runde.
Tiere und Pflanzen, die es nur hier gibt
Weil die Plateaus seit Millionen Jahren von der Tiefebene abgeschnitten sind, hat sich das Leben hier oben getrennt entwickelt. Rund ein Drittel der Pflanzenarten auf den Tepuis kommt nirgendwo sonst vor. Du siehst fleischfressende Kannenpflanzen und Sonnentau, die sich ihre Nährstoffe aus Insekten holen, weil der Boden praktisch keine liefert. Dazu Orchideen zwischen Moos und mit Glück die winzige schwarze Roraima-Kröte, die nicht springen kann und sich bei Gefahr zu einer Kugel rollt.
Erkundung: 4 km, 6 bis 8 Stunden
Übernachtung: Zelt auf dem Roraima
Mahlzeiten: Frühstück, Mittagessen, Abendessen
7. Tag: Abstieg zum Río Tek
Nach dem Frühstück geht es hinunter, über dieselbe Rampe, über die du heraufgekommen bist. Abstiege sind auf dieser Route der härtere Teil. Knie und Oberschenkel merken das deutlich, Wanderstöcke sind hier Gold wert.
Alles kommt mit nach unten
Der gesamte Müll der Gruppe wird wieder mitgenommen. Hygieneartikel müssen biologisch abbaubar sein. Das ist keine Schikane, sondern der Grund, warum dieses Plateau nach Jahrzehnten Tourismus noch so aussieht, wie es aussieht.
Ein letzter Blick zurück
Am Basislager gibt es eine Mittagspause, danach wanderst du weiter bis zum Río Tek. Auf dem Weg durch die Savanne dreht sich fast jeder irgendwann um. Von hier unten sieht der Roraima wieder aus wie ein unbesteigbarer Klotz und du weißt seit gestern, dass er es nicht ist.
Wanderung: 8 km, 6 bis 7 Stunden, überwiegend Abstieg
Übernachtung: Zelt am Río Tek
Mahlzeiten: Frühstück, Mittagessen, Abendessen
8. Tag: Zurück nach San Francisco de Yuruaní
Letzter Wandertag, zwölf Kilometer weitgehend eben durch die Savanne zurück ins Dorf. Die Beine sind schwer, der Kopf ist voller Eindrücke. Unterwegs kommt der Roraima noch einmal ins Bild und wird dann langsam kleiner.
Die erste Dusche seit sechs Tagen
In San Francisco de Yuruaní wartet ein Bett, das kein Zeltboden ist und eine Dusche, die du nach fünf Nächten ohne Strom und fließend Warmwasser zu schätzen weißt. Hier verabschiedet sich auch das Team, das dich begleitet hat, ein guter Moment für Trinkgeld.
Wanderung: 12 km, 6 bis 7 Stunden, weitgehend eben
Übernachtung: einfache Posada in San Francisco de Yuruaní
Mahlzeiten: Frühstück, Mittagessen, Abendessen
9. Tag: Transfer zurück nach Puerto Ordáz
Mit Jeep oder Kleinbus geht es durch die Gran Sabana zurück nach Puerto Ordáz. Ein Fahrtag zum Sortieren, mit Blick aus dem Fenster auf eine Landschaft, die du inzwischen anders siehst als auf dem Hinweg.
Wasserfälle am Straßenrand
Die Strecke führt an mehreren Wasserfällen vorbei, die direkt an der Route liegen. Die Gran Sabana hat davon hunderte, weil das Wasser auf dem undurchlässigen Quarzit kaum versickert und stattdessen über die Stufen der Hochebene fällt.
Transport: Jeep oder Kleinbus, San Francisco de Yuruaní nach Puerto Ordáz
Übernachtung: Hostería Waipa in Puerto Ordáz
Mahlzeiten: Frühstück (die Verpflegung der Roraima-Tour endet in San Francisco de Yuruaní)
10. Tag: Von Puerto Ordáz ins Orinoco Delta
Jetzt wechselst du das Element. Per Landtransfer geht es von Puerto Ordáz nach San José de Buja, von dort weiter mit dem Boot durch die Kanäle zum Orinoco Eco-Camp.
Wo der Boden aufhört
Kurz vor dem Atlantik verzweigt sich der Orinoco in ein Netz aus hunderten Kanälen, die Caños genannt werden. Das Delta ist mit rund 40.000 Quadratkilometern etwa so groß wie die Schweiz. Fester Boden wird hier zur Ausnahme, alles ist Wasser, Palmen und Grün. Nach acht Tagen Fels und Savanne ist der Kontrast schwer zu überschätzen.
Die Moriche-Palme als Lebensgrundlage
Prägend ist die Moriche-Palme, die in riesigen Beständen im Sumpf steht. Für die Warao ist sie fast alles zugleich: Baumaterial für die Pfahlbauten, Fasern für Hängematten und Körbe, dazu Früchte und Palmherzen als Nahrung. Wer verstehen will, wie Menschen in einem Land ohne festen Boden leben, bekommt hier die Antwort.
Ankommen bei den Bootsleuten
Der Name Warao lässt sich mit Bootsleute übersetzen und trifft es genau. Sie leben seit Jahrtausenden in dieser Region, wohnen in offenen Pfahlbauten über dem Wasser und bewegen sich im Einbaum fort. Kinder paddeln hier, bevor sie richtig laufen können. Am Abend gibt es das erste Essen im Camp.
Transport: Landtransfer Puerto Ordáz nach San José de Buja, Bootstransfer zum Camp
Übernachtung: Orinoco Eco-Camp
Mahlzeiten: Abendessen
11. Tag: Ein voller Tag im Orinoco Delta
Heute gehört dir das Delta. Gummistiefel werden gestellt, denn ein Teil des Programms führt zu Fuß durch den überschwemmten Regenwald.
Zu Fuß durch den überschwemmten Wald
Bei der Dschungelwanderung erklärt dir dein Guide, welche Pflanzen die Warao nutzen und wofür, von Baumaterial über Nahrung bis zu Heilmitteln. Der Boden ist weich und nass, du stapfst durch Wasser und Wurzelwerk und genau deshalb die Stiefel.
Im Kanu auf den Caños
Mit dem Kanu gleitest du lautlos durch schmale Seitenarme, in denen die Palmen über dir zusammenwachsen. Ohne Motor hörst du das Delta, statt es zu übertönen. Brüllaffen sind schon aus mehreren Kilometern Entfernung zu hören, ihr Ruf gehört zu den lautesten Tierlauten der Welt. Dazu Tukane, Aras, Reiher und der Hoatzin, ein bizarrer Vogel mit punkiger Federhaube, dessen Küken Krallen an den Flügeln haben und damit klettern können.
Flussdelfine und Kaimane
Im Orinoco leben Flussdelfine, die gelegentlich neben dem Boot auftauchen. Mit etwas Glück siehst du Kaimane am Ufer oder Capybaras, die größten Nagetiere der Welt. Was genau möglich ist, hängt von Wasserstand, Tageszeit und Camp-Programm ab, nicht jeder Tag bietet dasselbe.
Dorfbesuch und Tierbeobachtung
Ein Besuch in einem Warao-Dorf gehört ebenfalls dazu. Und wenn am Abend die Hitze nachlässt, wird das Delta aktiv: Vögel ziehen zu ihren Schlafplätzen und die Geräuschkulisse erreicht ihren Höhepunkt.
Aktivitäten: Dschungelwanderung mit Gummistiefeln, Kanufahrten, Tierbeobachtungen, Dorfbesuch
Übernachtung: Orinoco Eco-Camp
Mahlzeiten: Frühstück, Mittagessen, Abendessen
12. Tag: Über Maturín zurück nach Caracas
Nach dem Frühstück bringt dich das Boot zurück nach San José de Buja, von dort geht es per Landtransfer nach Maturín und mit dem Flugzeug weiter nach Caracas.
Zwei Welten in zwölf Tagen
Beim Blick aus dem Flugzeug lässt sich schwer zusammenbringen, dass du vor einer Woche auf 2.810 Metern zwischen schwarzem Fels und Nebel standest und gestern im Kanu durch Palmenkanäle gefahren bist. Derselbe Kontinent, dasselbe Land, kaum eine Gemeinsamkeit. Genau das ist der Punkt dieser Reise.
Transport: Bootstransfer nach San José de Buja, Landtransfer nach Maturín, Flug Maturín nach Caracas
Mahlzeiten: Frühstück