Was unterscheidet diese Reise von der 15-Tage-Expedition?
Den Weg nach oben. Bei der langen Variante läufst du acht Tage über den Auyan Tepui bis zur Abbruchkante, hier bringt dich ein Helikopter in einem einzigen Flug dorthin. Die Wand, die Abseilfahrten und die Nacht auf dem Felsband sind identisch. Diese Tour ist also die Wahl für alle, die den Salto Ángel abseilen wollen, aber keine acht Tage Anmarsch aufbringen können oder möchten.
Für wen ist diese Reise geeignet?
Für Menschen mit guter Kondition, sicherer Seiltechnik und einem entspannten Verhältnis zu Höhe und Ausgesetztheit. Der Veranstalter stuft die Tour trotz Helikopteranflug mit 5 von 5 als extrem ein. Der Filter ist hier nicht die Ausdauer, sondern der Kopf: zwei Tage am Seil in einer fast tausend Meter hohen Wand, mit einer Nacht dazwischen auf einem Felsband. Wer noch nie abgeseilt hat oder wem bei Ausgesetztheit die Knie weich werden, sollte diese Reise nicht buchen.
Wann muss ich in Caracas ankommen und wann kann ich zurückfliegen?
Plane deine Anreise mindestens einen Tag vor dem offiziellen Tourstart nach Caracas. Der Anschluss an den Inlandsflug nach Canaima ist eng und Flugverbindungen nach Venezuela sind weniger stabil als anderswo. Wer am selben Tag ankommt und sich verspätet, verpasst den Start der Expedition.
Dasselbe gilt für den Rückweg: Plane mindestens einen zusätzlichen Tag in Caracas ein, bevor dein internationaler Flug geht. Der Helikopterflug hängt vom Wetter ab, Bootsetappen vom Wasserstand, Verschiebungen um einen Tag sind auf dieser Route normal. Gerne buchen wir dir die Übernachtungen in Caracas mit.
Wie fühlt sich der Helikopterflug an?
Kurz, laut und ziemlich spektakulär. Auf dem Weg zum Plateau überfliegt ihr den Salto Ángel. Das ist derselbe Blick, für den andere einen eigenen Rundflug buchen, nur dass du danach nicht umkehrst, sondern oben aussteigst. Pro Jahr sehen das nur wenige Dutzend Menschen.
Was passiert, wenn der Helikopter wetterbedingt nicht fliegen kann?
Das ist das größte Planungsrisiko dieser Reise. Über dem Auyan Tepui bilden sich fast täglich Wolken und der Flug braucht ein Zeitfenster mit Sicht. Verzögerungen von einem Tag sind möglich und verschieben dann das gesamte Programm. Guides und Veranstalter entscheiden das vor Ort. Genau deshalb der Rat, am Ende einen Puffertag in Caracas einzuplanen und den internationalen Rückflug nicht knapp zu legen.
Warum findet die Tour nur in der Trockenzeit statt?
Wegen der Wand. In der Regenzeit führt der Salto Ángel enorme Wassermassen, der Fels ist nass, die Standplätze sind schwer zu erreichen und die Gischt macht die oberen Abseilfahrten gefährlich. Dazu kommen Gewitter, die dich in völlig exponiertem Gelände erwischen können, und schlechtere Flugbedingungen für den Helikopter. Deshalb gilt hier die umgekehrte Logik der klassischen Salto-Ángel-Touren: nicht möglichst viel Wasser, sondern möglichst wenig.
Sehe ich den Salto Ángel in der Trockenzeit überhaupt?
Ja, aber sei vorbereitet: Er führt dann deutlich weniger Wasser als auf den bekannten Fotos. In manchen Jahren ist er in der späten Trockenzeit nur noch ein schmaler Schleier, der auf dem Weg nach unten fast vollständig zu Nebel zerstäubt. Wer den Wasserfall in voller Wucht sehen will, bucht die Bootstour zum Mirador Laime in der Regenzeit. Wer ihn abseilen will, nimmt den niedrigen Wasserstand in Kauf. Beides gleichzeitig geht nicht und wir sagen dir das lieber jetzt als am Kraterrand.
Muss ich abseilen können?
Ja, und zwar selbstständig. Am dritten Tag ist ein kompletter Übungstag auf dem Plateau eingeplant, dazu kommen Vorabaktivitäten vor Reisebeginn, bei denen du Material und Abläufe kennenlernst. Ein Kurs ist das aber nicht. Wer mit Gurt, Abseilgerät und Selbstsicherung nicht sicher umgeht, bringt sich und die Gruppe in Gefahr. Vorerfahrung im Abseilen, Canyoning oder Klettern ist Voraussetzung.
Wie viele Abseilfahrten sind es und wie hoch?
Rund 14 Abseilfahrten, verteilt auf zwei Tage, über die Ostwand des Salto Ángel bis zum Mirador Laime. Am ersten Tag geht es um die oberen etwa 500 Meter, teilweise frei hängend ohne Wandkontakt. Am zweiten Tag folgt der senkrechte Dschungel mit kürzeren Abfahrten zwischen Bäumen, Wurzeln und bewachsenen Felsbändern.
Wo schlafe ich zwischen den beiden Abseiltagen?
In der Cueva Vivac, einem breiten Felsband mitten in der Wand. Es schützt teilweise vor Regen, mehr aber auch nicht. Das ist für viele der intensivste Moment der gesamten Reise und gleichzeitig der Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt.
Muss ich viel laufen?
Nein, und das ist der Kern dieses Produkts. Es gibt kurze Wege auf dem Plateau zu den Aussichtspunkten und am zweiten Abseiltag ein paar Querungen über bewachsene Felsbänder. Ein Trekking im eigentlichen Sinn findet nicht statt. Gute Grundfitness brauchst du trotzdem, denn zwei Tage am Seil sind körperlich anstrengender als es aussieht, vor allem für Arme, Schultern und Nacken.
Wie sollte ich mich vorbereiten?
Zwei bis drei Monate regelmäßiges Ausdauer- und Rumpftraining reichen als Basis. Wichtiger ist die Seiltechnik: Wenn du Zugang zu einem Klettergarten oder einer Halle hast, übe Abseilen, Standplatzwechsel und Selbstsicherung so lange, bis es Routine ist. Wer ein oder zwei Canyoningtouren mit langen Abseilstellen mitmacht, kommt deutlich entspannter in die Wand.
Wie viel Gepäck darf ich mitnehmen?
Auf dem Linienflug nach Canaima sind 23 Kilogramm aufgegeben und 5 Kilogramm Handgepäck erlaubt. Für den Helikopter gilt eine deutlich strengere Grenze, die sich aus der Nutzlast des Fluggeräts ergibt. Die genaue Zahl bekommst du von uns vor der Buchung. Was du nicht brauchst, lagerst du in Canaima ein. Entscheidend ist ohnehin die Wand: Vor den Abseilfahrten muss alles in einen einzigen Rucksack passen, der mit nach unten geht.
Was muss ich unbedingt einpacken?
Trekkingrucksack um 50 Liter und ein kleiner Angriffsrucksack, zwei Garnituren Kleidung aus Schnelltrockenmaterial mit langen Ärmeln und langen Beinen, ein trockenes Set zum Schlafen in drei Lagen, Regenjacke und Poncho, feste Schuhe (sie werden nass), Sandalen fürs Camp, Stirnlampe, Sonnenschutz, Mückenschutz, persönliche Medikamente und Snacks für vier Tage. Packe alles doppelt wasserdicht in Ziplocks und Müllsäcke. Plane Kleidung für drei Tage ein, nicht für acht, jedes Kilogramm zählt.
Welche Abseilausrüstung muss ich selbst mitbringen?
Seile und die zertifizierte Gruppenausrüstung stellt der Veranstalter. Deine persönliche Ausrüstung trägst du von Beginn an selbst mit: Helm, Klettergurt, drei Karabiner, zwei Abseilgeräte, Bandschlingen für die Standplätze und Handschuhe. Die technischen Spezifikationen und Bezugsquellen bekommst du vorab von uns. Komm bitte nicht ohne dieses Material an, in Canaima lässt sich das nicht mehr beschaffen.
Wie viele Teilnehmer sind dabei?
Eine kleine Gruppe, begrenzt durch die Kapazität des Helikopters und die Abläufe in der Wand. Die Reise findet erst statt, wenn die Mindestteilnehmerzahl erreicht ist. Bei einem Produkt dieser Komplexität ist das keine Formalie: Plane deine Flüge entsprechend und buche sie erst nach schriftlicher Durchführungsbestätigung.
Wer führt die Expedition?
Ein venezolanischer Bergführer mit über 37 Jahren Erfahrung an den Tepuis, der die Wand des Salto Ángel zweimal geklettert hat und die festen Standplätze für die Abseilfahrten selbst neu eingerichtet hat, dazu ein zweiter Guide mit Ausbildung in Seiltechnik, Höhenarbeit, Bergmedizin und Erster Hilfe sowie einheimische Pemón-Guides.
Wie ist das Wetter auf dem Tafelberg?
Die Temperaturen liegen laut Veranstalter zwischen 17 und 27 Grad. Das klingt angenehm, täuscht aber: Oben auf dem Plateau kann es durch Nebel, Wind und Nässe empfindlich kühl werden, besonders nachts. Auch in der Trockenzeit kann es regnen. Du wirst nass, entweder von oben oder von innen.
Gibt es unterwegs Handyempfang?
Nein. Ab dem Helikopterflug gibt es kein Netz und keinen Strom. Die Gruppe führt ein Satellitentelefon mit, das ausschließlich für Notfälle vorgesehen ist. Plane damit, dass du rund sechs Tage nicht erreichbar bist, und informiere deine Angehörigen vorher.
Was passiert bei einem Unfall in der Wand?
Das ist die wichtigste Frage der ganzen Reise. Es gibt in dieser Region keine organisierte Bergrettung und keinen verlässlichen Rettungsdienst. Eine Evakuierung aus der Wand oder vom Plateau dauert im besten Fall viele Stunden, realistisch eher Tage. Der Veranstalter stellt Erste-Hilfe-Ausrüstung und ein Satellitentelefon, schließt Rettungskosten aber ausdrücklich aus. Wer dieses Risiko nicht akzeptieren kann, sollte die Reise nicht buchen.
Brauche ich eine Versicherung?
Ja, zwingend. Eine Auslandskrankenversicherung mit Rückholung ist Pflicht. Achte darauf, dass Abseilen und Höhenaktivitäten ausdrücklich eingeschlossen sind, viele Standardtarife schließen genau das aus. Prüfe außerdem, wie sich eine bestehende Reisewarnung auf deinen Schutz auswirkt, denn manche Versicherer sind in solchen Fällen leistungsfrei. Kläre das schriftlich mit deinem Versicherer, bevor du buchst.
Brauche ich eine Gelbfieberimpfung?
Ja, und zwar zwingend. Ohne gültigen Gelbfieber-Impfnachweis bekommst du keinen Zugang zum Canaima Nationalpark. Die Impfung muss mindestens zehn Tage vor der Einreise erfolgt sein, damit der Nachweis gültig ist. Plane sie also früh ein und nimm das gelbe Impfbuch im Original mit auf die Reise, eine Kopie reicht nicht. Wer sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen kann, kann an dieser Reise nicht teilnehmen. Zu Malariaprophylaxe und weiteren Impfungen berät dich eine reisemedizinische Praxis, idealerweise sechs bis acht Wochen vor Abreise.
Kann sich der Reiseverlauf ändern?
Ja, und das ist bei einer Expedition normal. Flugbedingungen für den Helikopter, Wetter, Wasserstände und die allgemeine Lage im Land können den Ablauf verschieben. Guides und Veranstalter haben bei Anpassungen der Route immer das letzte Wort. Zusatzkosten, die durch solche Änderungen entstehen, gehen laut den Bedingungen des Veranstalters zulasten der Teilnehmer. Genau deshalb der Rat, am Ende einen Puffertag in Caracas einzuplanen.
Wie sicher ist eine Reise nach Venezuela aktuell?
Die Lage ändert sich laufend, deshalb nennen wir hier keine Momentaufnahme, die morgen falsch sein kann. Maßgeblich sind die offiziellen Hinweise deines Heimatlandes: Auswärtiges Amt, BMEIA Österreich und EDA Schweiz. Die drei Länder bewerten die Lage unterschiedlich. Vor jeder Buchung besprechen wir die aktuelle Einschätzung offen mit dir und sagen dir auch, wenn wir von einem Termin abraten.
Was bedeutet die Lage konkret für diese Reise?
Drei Dinge. Erstens brauchst du Zeitpuffer zwischen internationalem Flug und dem Inlandsflug nach Canaima, denn Flugverbindungen nach Venezuela sind weniger stabil als in anderen Ländern. Zweitens ist konsularische Hilfe im Ernstfall nur eingeschränkt möglich. Drittens kann eine bestehende Reisewarnung deinen Versicherungsschutz und dein Rücktrittsrecht berühren. Wer diese Unsicherheiten nicht tragen will, ist mit einem anderen Ziel besser bedient und das sagen wir dir lieber vorher als hinterher.
Beginnt die Reise in Deutschland?
Nein. Der beschriebene Ablauf startet und endet in Caracas. Den internationalen Flug planen wir mit dir separat. Du brauchst mindestens eine Übernachtung vor dem Inlandsflug nach Canaima sowie einen Puffertag vor dem Rückflug.
Brauche ich ein Visum für Venezuela?
Die Einreisebestimmungen ändern sich, deshalb prüfe sie vor jeder Buchung auf den Seiten des Auswärtigen Amts. Grundsätzlich brauchst du einen Reisepass, der bei Einreise noch ausreichend lange gültig ist. Rechne mit gründlichen Kontrollen und längeren Wartezeiten bei Ein- und Ausreise.
Wie bezahle ich vor Ort?
In bar, in US-Dollar. Kartenzahlung funktioniert für Ausländer in Venezuela praktisch nicht und auf Geldautomaten kannst du dich nicht verlassen. Nimm deine Dollar in kleinen, sauberen und unbeschädigten Scheinen mit, beschädigte Noten werden oft abgelehnt. Kalkuliere eine Reserve für Unvorhergesehenes ein.
Was kostet die Reise und was ist enthalten?
Der Veranstalter ruft 3.500 US-Dollar pro Person auf. Enthalten sind der Linienflug Caracas nach Canaima und zurück, der Helikopterflug auf das Gipfelplateau inklusive Überflug des Salto Ángel, die Gemeinde- und Nationalparkgebühren, alle Unterkünfte, sämtliche Mahlzeiten vom Mittagessen des ersten Tages bis zum Frühstück des Abreisetages, spezialisierte Guides und Pemón-Guides, Träger für das Gemeinschaftsgepäck, Koch und Küchenausrüstung, Zelte, zertifizierte Seile und Gruppenausrüstung, Bootstransfers, Erste-Hilfe-Ausrüstung und ein Satellitentelefon. Wir schlagen auf den Preis unserer Partner nichts auf.
Was ist nicht enthalten?
Internationale Flüge, die Übernachtungen in Caracas vor und nach der Expedition, Übergepäck, die persönliche Abseilausrüstung, Isomatte und Schlafsack, Versicherungen und Rettungskosten, Mahlzeiten und Getränke außerhalb des Programms, Mehrkosten für spezielle Ernährung, die Gelbfieberimpfung sowie Trinkgelder.
Ich ernähre mich vegan oder habe Unverträglichkeiten. Geht das?
Sag uns das bei der Buchung, nicht erst vor Ort. Die Verpflegung wird komplett eingeflogen, Nachbestellen ist unmöglich. Mehrkosten für spezielle Verpflegung trägst du selbst. Sehr eingeschränkte Ernährungsformen lassen sich auf dieser Tour nur begrenzt abbilden, das besprechen wir vorher ehrlich mit dir.
Wie wird angezahlt und storniert?
Der Veranstalter verlangt 40 Prozent Anzahlung zur Reservierung. Die Stornostaffel ist hart: Vier Wochen vor Reisebeginn werden bis zu 50 Prozent erstattet, drei Wochen vorher 30 Prozent, zwei Wochen vorher 15 Prozent und darunter nichts. Die Inlandsflugtickets sind nicht erstattungsfähig. Die für dich geltenden Bedingungen bekommst du vor Vertragsschluss schriftlich.
Kann ich den Salto Ángel auch einfacher sehen?
Ja. Es gibt Rundflüge ab Canaima und die klassische Bootstour den Río Churún hinauf zum Mirador Laime mit Übernachtung in Hängematten. Das ist die Variante für alle, die den höchsten Wasserfall der Erde sehen wollen, ohne sich an ein Seil zu hängen. Sprich uns an, wir stellen dir das passende Programm zusammen.
Gibt es Erfahrungsberichte aus dieser Region?
Ja. Den ausführlichen Reisebericht von Jasmin findest du hier: Erfahrungsbericht Auyan Tepui Trekking. Wenn du lieber zuhörst, gibt es den Podcast Venezuela bereisen. Beide beschreiben die Trekkingvariante ohne Abseilpassagen, geben aber ein gutes Gefühl für Land, Menschen und Bedingungen am Auyan Tepui.